AUSGEWÄHLTE GIPFELBLICKE
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      Vulkane weltweit    CHIMBORAZO
6.268 m
Geografie: D er   inaktive   Vulkan   Chimborazo    ist   mit   6.268 m   Höhe   (alte   Messung:   6.310 m)   über   dem   Meeresspiegel   der   höchste   Berg   in   Ecuador.   Er   liegt   in   der Westkordillere   der Anden.   Sein   Durchmesser   beträgt   an   der   Basis   etwa   20 km. Der    Berg    liegt    innerhalb    des    Naturreservates    „Reserva    de    Produccion Faunistica    Chimborazo“ ,    das    dazu    dient,    den    Lebensraum    für    die    dort heimischen kameliden Vikunja, Lama und Alpaca zu schützen. Unsere Aufstiegsroute: Die    Besteigung    des    Gipfels    erfolgt    von    der    Berghütte    Refugio    Hermanos Carrel (4.800 m) über die Ruta arista de la Castéllo (grüne Aufstiegsroute). Unsere Abstiegsroute: Der Abstieg erfolgt über die Aufstiegsroute.   Anstrengung: Die Tourlänge (Auf- und Abstieg) liegt etwa zwischen 12-14 Std. Ausrüstung: Vollständige Hochgebirgsausrüstung und warme Kleidung erforderlich. Gefahren: Wetterumstürze; Wegefindung bei Nebel; Höhenanpassung erforderlich. Bemerkungen: Der   Gipfel   des   Chimborazo   ist   wegen   seiner   Nähe   zum   Äquator   der   Punkt   der Erdoberfläche,    der    am    weitesten    vom    Erdmittelpunkt    entfernt    ist.    Dass    er hierin   den   wesentlich   höheren   Mount   Everest   übertrifft,   liegt   daran,   dass   die Erde   aufgrund   der   Rotation   und   der   sich   daraus   ergebenden   Fliehkraft   keine Kugel   ist,   sondern   ein   Rotationsellipsoid,   dessen   Radius   an   den   Polen   kleiner und   am   Äquator   größer   ist.   Nimmt   man   den   Erdmittelpunkt   als   Bezugspunkt, so übertrifft der Chimborazo den Mount Everest um über 2.000 Meter.
Letzte Aktualisierung: 30.10.2020
Im Reisetagebuch geblättert (Freitag / Sonnabend, 06.09. / 07.09.2019)                                                                                                             Auf Humboldts Spuren in Ecuador
Mountain Hiker Chimborazo Chimborazo Stromboli Stromboli Vesuv Vesuv Der Chimborazo ist der höchste Berg in Ecuador und der einzige Berg des Landes über 6000 Meter Sechs auf einen Streich - beim Chimbo hat es leider nicht geklappt  Einfahrt in das Naturreservat „Reserva de Produccion Faunistica Chimborazo“ Da soll es in der Nacht hinaufgehen fotografisch schwer einzufangen - wilde Vikunjas Die Berghütte Hermanos Carrel liegt etwa auf Mont-Blanc-Höhe Bestes Bergwetter - hoffentlich bleibt es so An keinem anderen Ort der Erde ist man dem Himmel so nah Unser Weg: Ruta arista de la Castéllo (grüne Aufstiegsroute). Der einfache Weg zum Gipfel ist etwa 5,5 km lang (ca. 1.400 Höhenmeter) Blick vom Vorgipfel Veintimilla (6.241 m) zum Hauptgipfel Deshalb ist der Chimborazo vom Erdmittelpunkt aus gemessen, höher als der Mount Everest Alexander von Humboldt war noch nicht 33 Jahre alt, als er den Versuch unternahm, den Chimborazo zu besteigen Gut gelaunt geht's dem Chimborazo entgegen
Der   Tag   ist   gekommen,   der   Aufstieg   auf   Ecuadors   höchsten   Berg steht   unmittelbar   bevor.   Doch   der   Reihe   nach:   Der   Freitagmorgen beginnt   im   Gästehaus   in   Baños   mit   einem   ordentlichen   Frühstück und   einem   Geburtstag.   Ein   Mitglied   unserer   Gruppe   ist   40   Jahre   alt geworden   und   wird   mit   einer   Torte   überrascht.   Gegen   11:00   Uhr startet   die   Fahrt   zum   Refugio   Hermanos   Carrel.   Die   110   km   lange Strecke   führt   über   die   Straße   Panamericana.   Im   Ort   Riobamba   legen wir   zur   Mittagsstunde   einen   Versorgungsstopp   ein.   Im   italienischen Restaurant   bestelle   ich   Spaghetti,   da   gibt   es   keine   Überraschungen. Gegen    14:00    Uhr    geht    es    weiter.    Inzwischen    sind    auch    die Bergführer   mit   an   Bord,   denn   sie   stammen   alle   aus   der   Gegend.   Der letzte     Abschnitt     der     Fahrt     führt     über     eine     Ruckelpiste.     Der Chimborazo   kommt   in   Sicht.   Stolz   thront   er   über   der   kargen   Ebene. Wilde   Vikunjas   sind   vor   der   Bergkulisse   zu   sehen,   so   als   hätten   sich die    Tiere    dort    eigens    für    einen    Landschaftsmaler    postiert.    Sie fotografisch   einzufangen   ist   während   der   Ruckelfahrt   nur   bedingt möglich. Die     holprige    Auffahrt     führt     zu     einem     Parkplatz     hinauf,     der unmittelbar   an   der   Berghütte   liegt.   In   den Alpen   hätten   wir   auf   dieser Höhe    auf    dem    Montblanc    geparkt.    Das    Wetter    ist    perfekt:    fast wolkenloser   Himmel,   wenig   Wind.   Die Aussicht   auf   die   Straße   der Vulkane “,   wie   Alexander   von   Humboldt   sie   nannte,   ist   genial.   Das Gelände   um   die   Hütte   herum   ist   voller   Geröll   und   Steine   in   allen möglichen   Größen,   Farben   und   Formen.   Oberhalb   der   Carrel-Hütte steht   ein   pyramidenförmiges   Denkmal,   neben   ihm   sind   Grabsteine zu   sehen,   die   an   Menschen   erinnern,   die   auf   dem Weg   zum   oder   vom Gipfel   umgekommen   sind.   Sie   haben   den   Kampf   gegen   die   Höhe oder gegen Schnee-, Eis- oder Steinlawinen verloren. Der   Weg   zum   Refugio   Whymper,   der   Berghütte   die   oberhalb   der Carrel-Hütte   liegt,   ist   gesperrt.   Sicherlich   wird   man   die   Hütte   bald aufgeben,     denn     der     Steinschlag     ist     dort     oben     durch     den Gletscherrückgang      enorm      angewachsen.      Die      sich      vor      mir erhebenden   Dimensionen   des   Chimborazo   verlangen   Respekt   und Demut. Da will ich hinauf? Im   Bettenlager   der   Hütte   rolle   ich   den   Schlafsack   aus   und   entspanne. Der   weitere   Nachmittag   nimmt   seinen   Lauf:   Der   Expeditionsleiter gibt   eine   Einweisung   zur   nächtlichen   Tour   über   die   Ruta   arista   de   la Castéllo .   Der   Aufstieg   wird   etwa   9-10   Stunden   dauern,   die   einfache Strecke   ist   5,5   km   lang.   Die Temperaturen   am   Gipfel   betragen   etwa   - 10°C. 1.400 Höhenmeter sind zu bewältigen. Gegen   17:30   Uhr   gibt   es   ein Abendessen,   danach   wird   bis   21:00   Uhr im    Schlafsack    geruht.    An    Schlaf    ist    nicht    zu    denken,    denn    die Gedanken sind schon auf Wanderschaft und kreisen um den Berg. Die    drei    Ruhestunden    enden    wie    angekündigt.    In    der    Hütte    ist Bewegung.    Ein    Mitstreiter    unserer    Gruppe    meldet    sich    ab.    Sein Gesundheitszustand         lässt         keinen         Aufstieg         zu.         Die Vorbereitungsstunde   vergeht   im   Eiltempo.   Appetit   habe   ich   nicht, eine halbe Tasse Tee muss jedoch getrunken werden.  Um   22:00   Uhr   geht   es   in   voller   Montur   vor   die   Hütte.   Über   uns breitet   sich   ein   sternklarer   Himmel   aus.   Die   ersten   zwei   Stunden stapft   die   Gruppe   gemeinsam   mit   den   Bergführern   im   Schein   der Stirnlampen   über   einen   Moränenhügel   in   kleinen   Serpentinen   und felsigen Absätzen dem „ El Castillo “ ( dem Schloss ) entgegen.
Der   Freitag   geht   in   den   Sonnabend   über.   Auf   5.200   m   Höhe   wird   eine Rast   eingelegt.   Ein   Platz,   den   unser   Expeditionsleiter   gut   kennt,   den   ab hier   geht   es   mit   Steigeisen   unter   den   Sohlen   und   dem   Eispickel   in   der Hand    weiter.    Zunächst    traversieren    wir    an    der    Felsbastion    des    El Castillo “   entlang.   Der   Pfad   ist   steil,   rechts   schwarze   Leere,   links   die Wand.   Geröll,   Eis,   Schnee   und   Sand   sind   gefroren.   Die   erreichte   Höhe beträgt   etwa   5.600   m.   Ein   kleiner   Sattel   ist   erreicht.   In   etwa   20   km Entfernung   sind   die   Lichter   von   Riobamba   und   am   Himmel   ist   ein unglaublicher     Sternenhimmel     zu     sehen.     Weit     oben     blinken     die Stirnlampen    der    Vorgänger.    Ich    fühle    mich    ausgepowert    und    habe plötzlich    nicht    mehr    die    Kraft    und    den    Willen    weiterzugehen.    Ich verständige   mich   mit   meinem   Bergführer.   Es   wird   die   Entscheidung getroffen,   dass   ich   nach   einer   Erholungspause   absteige.   Ohne   weitere große   Pausen   geht   es   nun   für   mich   in   Begleitung   des   Expeditionsleiters hinab.    Im    vereisten,    abschüssigen    Gelände    ist    volle    Konzentration erforderlich,   denn   stürzen   sollte   man   hier   nicht.   Um   5:30   Uhr   ist   die Hütte    und    der    wärmende    Schlafsack    erreicht.    Ich    denke    an    die Kameraden, die noch unterwegs zum Gipfel sind… Dem   Naturforscher   Humboldt    bluten   am      23.   Juni   1802   die   Hände,   als er     sich     die     Hänge     des     Chimborazo     hinaufkämpft.     Das     scharfe Vulkangestein schlitzt ihm bei jedem Fehltritt die Haut auf. Unsere Begleiter waren vor Kälte erstarrt und ließen uns im Stich“, wird Humboldt später in seinem Tagebuch notieren. Sie versicherten, sie würden vor Atemnot sterben, obwohl sie uns wenige Stunden zuvor voller Mitleid betrachtet und behauptet hatten, dass die Weißen es nicht einmal bis zur Schneegrenze schaffen.“ Das   war   eine   Fehleinschätzung,   denn   der   Naturforscher   steigt   so   hoch wie   kein   Mensch   zuvor.   Am   Ende   sind   alle   Mühen   vergebens.   Eine gewaltige    Gletscherspalte    versperrt    ihm    den    Weg    und    zwingt    zur Umkehr. Er kommt bis auf etwa 5.600 Meter. Der Aufstieg   auf   den   Chimborazo   ist   heute   keine   Pionierleistung   mehr, aber   immer   noch   ein   gewagtes   Unterfangen.   Kein   Scheinabenteuer   mit Erfolgsgarantie.    Ich    habe    meine    Erfahrung    mit    der    Höhe    und    den Gegebenheiten   an   diesem   Berg   gemacht:   steiles,   vereistes   Gelände   und stundenlanger    Aufstieg     in     eiskalter     Nacht     enden     unterhalb     des Gletschers   und   zwingen   mich,   wie   später   zwei   Bergsteiger   unseres Teams,   zur   Umkehr.   Die   Übrigen   der   Gruppe   erreichten   nach   acht Aufstiegsstunden den Vorgipfel Veintimilla (6.241 m). Auf         dem         Gipfel   angekommen   zu   sein   bedeutet,   es   geschafft   zu haben,    nicht    mehr.    Das    Ziel    ist    damit    verschwunden.    Mit    dem Scheitern   aber   bleibt   das   Ziel.   Die   Verzweiflung   darf   folgen   als   das Begreifen   des   Scheiterns,   als   das   Fassen   der   eigenen   Grenzen.   Die Begeisterung     auf     hohe     Berge     zu     steigen     ist     mir     jedoch     nicht abhandengekommen,     denn     wenn     es     so     wäre,     würde     von     der Leidenschaft   nur   das   Leiden   übrig   bleiben.   Die   Eiswelt   auf   Humboldts Schicksalsberg   ist   menschenfeindlich,   das   erfuhren   alle   Bergsteiger, die   es   versucht   haben   den   Gipfel   zu   erreichen.   Um   10:00   Uhr   kehrt   der Jüngste   der   Gruppe   zur   Hütte   zurück.   Wir   frühstücken   gemeinsam   und treten   dann   den   Rückweg   per   Bus   nach   Baños   an.   Gegen   13:30   Uhr   ist das    Gästehaus    erreicht.    Nachdem    die    Bergutensilien    abgelegt    sind, fahren   wir   mit   dem   Bus   ins   Thermalbad   des   Ortes   und   genießen   das warme    Heilwasser,    dass    der    Vulkan    ganz    kostenlos    dem    Badeort beschert.
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